Das Dorfzentrum von Ried ist geprägt von seiner charakteristischen Bauform – von traditionellen ,Tirolerhäusern‘ mit wohn-, touristischer und landwirtschaftlicher Nutzung und von markanten historischen Solitärgebäuden. Der in seiner Ursprungsform baukulturell wertvolle Bestandsbau präsentiert sich wieder als Ansitz: ein klarer, fein gegliederter, quaderförmiger Solitär mit einer markanten Front zur Dorfstraße. Westseitig werden die späteren Anbauten durch eine Fuge als transluzentes Bindeglied in Abstand gebracht. Ein sanftes Umbauen und Entfernen des unförmigen Daches reduziert den Anbau zum einfachen Turmbaukörper. Diese Ausprägung eines Turms als Ergänzung zum Haupthaus verleiht dem Ensemble eine dezent komponierte Asymmetrie, welche der derzeitige Bestand vermissen lässt. Gleichzeitig erhält das Dorfhaus durch die traditionelle Turmergänzung eine Identität. Durch geringfügige Adaptionen, wie z.B. den Rückbau der schlichten Blendfassade wird das historische Volumen in seiner Erscheinung gestärkt. Gemeinsam mit den öffentlichen Gebäuden von Schloss Siegmundsried und dem Schweiggl Haus entsteht in der Dorfmitte ein selbstverständlicher Dreiklang neuer soziokultureller Identität. Die vorhandene Raumstruktur des Gemeindeamts bleibt weitestgehend vorhanden, beide Nutzergruppen erhalten eine eigenständige Identität und eine adäquate, logisch auffindbare Adresse auf Eingangsniveau. Eine hausbegleitende Rampe erschließt beide Funktionen schnell und selbstverständlich barrierefrei. Das zentrale Foyer dient zu Betriebszeiten als Wartebereich und Kommunikationsdrehscheibe und leitet die Besucher im Bereich der, Fuge‘ zum neuen Stiegenhaus, wo in einem kleinen Anbau der neue, installationsintensive Erschließungskern entsteht. Das Dachgeschoß bildet als großer, Einraum` den gewünschten Veranstaltungscluster für die Gemeinde aus, der durch das autarke Stiegenhaus und eine variable Raumteilung vielfältig genutzt werden kann. Der Turm weist in seiner Ausformulierung gleichsam Schlichtheit und Massivität auf. Durch den Wechsel der Fassadenstruktur und die neue Dachform wird die Vorbildwirkung der Gemeinde mit dem ,Re-Use-Gedanken‘ sichtbar, das Dach schafft wertvollen Freiraum als Ergänzung der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Trauungssaal, Foyer und Sitzungsaal.